Doppeltunrhalle und Kindergarten

Städtebauliche Lösung
Anstatt sich direkt an den Bestand anzubinden, überzeugt dieser autarke Neubau mit dem Erzeugen eines Zwischenraumes, der wiederum ein direktes, öffentliches Wegenetz ermöglicht. Die „Lindagass“ ist die neue Hauptachse, die die Peter- und Paul-Strasse geradewegs über das Schulareal mit der Kaplaneigasse verbindet. Als reine Fussgängerzone ist die Lindagass nicht nur ein heller, freundlicher, teils überdachter Gehweg, sondern schafft auch einen neuen Orientierungspunkt in dem bisher unübersichtlichen Schulareal. Zudem bindet sie das Kulturhaus Rössle ins Schulgelände mit ein - ein Brückenschlag zwischen Kulturgut und Bildungsstätte.
Anders als die Schulbauten auf dem Areal gliedert sich dieses Gebäude in die Topographie ein. Während die bestehenden Bauten viele unterirdische, nicht natürlich belichtete Gänge und beinahe im Gelände versinkende Schulzimmer aufweist, die schnell zu Orientierungsverlust führen, hat dieses Gebäude den Mut aus dem Erdreich hinauszuragen. Mit den beiden unteren Levels orientiert er sich an den bestehenden Primarschulhäusern und ergänzt die typische 3-Geschossigkeit mit einem losgelösten oberen Kindergartengeschoss. Auch bezüglich der Flachdachform orientiert sich der Neubau am Bestand.
Das kompakte Volumen ermöglicht grosszügige, grüne Aussenflächen, die sanft in die Topographie eingegliedert sind. Durch die Höhendifferenz der Topographie können zwei autarke Eingänge erzielt werden. Das Foyer der Turnhalle ist direkt zum Kulturhaus Rössle orientiert, um künftige räumliche Synergien zu fördern. Der Zugang zum Kindergarten liegt am nördlichen Ende der Lindagass, wo eine Überdachung die Primarschule mit dem Kindergarten oberirdisch verbindet.
Nicht nur um das Wohngebiet Meldina zu entlasten, sondern auch um zentrumsnahe Parkplätze anzubieten, wird die Tiefgarage von der Peter- und Paul-Strasse erschlossen. Eine Arkade führt von der Tiefgarage zur Lindagass, sodass die Nutzer trockenen Fusses zum Schulareal gelangen. Weitere Aussenparkplätze befinden sich an der Seitenstrasse Kirchenbot.


Umgebungsgestaltung
Der neue Eingangsbereich und Pausenplatz wird zum Dreh- und Angelpunkt zwischen der bestehenden Schulanlage, der neuen Turnhalle sowie des Kindergartens.
Zudem wird der Freiraum zwischen dem Kulturhaus Rössle und dem Kindergarten- und Turnhallengebäude zum attraktiven Aufenthaltsbereich mit Sitzgelegenheiten der zum Verweilen einlädt. Des Weiteren bietet die mobile Aussenbühne hinter dem Kulturhaus Rössle Raum für kreative Darbietungen und kleine Freilichtanlässe.
Der angrenzende historische Kräutergarten wird inszeniert und wiederbelebt. Ein chaussierter Fussweg führt durch den Kräutergarten, wo Kräuterpflanzungen zum Entdecken einladen und die Sinne der Passanten ansprechen und beleben. Kräuter, Blühstauden und niedere Bäume fungieren als Schulwegbegleiter und leiten von der Peter- und Paul-Strasse zum Schulvorplatz über.
Selbst der Allwetterplatz und das Rasenspielfeld sind stimmig im Gelände positioniert. Mehrere Sitzstufen staffeln das Terrain dazwischen und spielen mit dem Geländesprüngen.
Zwischen der Kaplaneigasse und dem Schulareal schafft die gestärkte Baumreihe mit den bestehenden und partiell ergänzten Bäumen einen intimen Freiraum. Der grosszügige Aussenraum beim Kindergarten dient als geschützte Frei- und Spielfläche für die kleineren Nutzer der Schulanlage.


Organisatorisches Konzept
Mit grosser Präsenz zum Kulturhaus Rössle hin präsentiert sich der Hauptzugang vom Turnhallenfoyer der Öffentlichkeit und unterstützt mit seiner Ausformulierung künftige räumliche Synergien von Kulturhaus und Foyer. Die Turnhallen sind bewusst auf diesem Niveau angeordnet, um Sichtbezüge zum Kulturhausplatz, sowie zu den umliegenden Aussenflächen zu schaffen.
Die beiden Aussenplätze sind östlich vom Gebäude angeordnet, wo sie sanft in die Topographie eingegliedert sind. Der Allwetterplatz liegt direkt über der Tiefgarage und wird über Sitzstufen mit dem Rasenspielfeld verbunden.
Direkt von der Lindagass wird über eine Rampe der Zugang zu den Garderoben erreicht. Das grosszügige Foyer wird mit einem grünen Innenhof aufgelockert, der zudem die bestehenden, unterirdischen Korridore mit natürlichem Tageslicht versorgt. Nebst dem direkten Eingang von der Primarschule zur Turnhalle, befindet sich hinter dem Innenhof auch die interne, witterungsunabhängige Erschliessung von Primarschule und Kindergarten.
Der Kindergarten wird am nördlichen Ende der Lindagass erschlossen, wo auch die interne Verbindung von der Primarschule hochführt. Die Klassenzimmer sind windmühlenartig um den Innenhof angeordnet, der auch als Mal-, Bastel- und Spielzimmer genutzt wird. Dazwischen greift die Erschliessungszone mit den Garderoben und den flexibel gestaltbaren Gruppenräumen bis an die Fassade und ermöglicht so die Orientierung und den Sichtbezug nach aussen. Das gewählte Rastersystem unterstützt den Zeitgeist einer sich stetig anpassbaren Umgebung. Faltbare, zwischen den Stützen bewegliche Faltwände ermöglichen eine flexible Raumgestaltung, wodurch nicht nur die Erschliessungszone frei erweitert und in Räume abgetrennt, sondern auch neue Lehrkonzepte realisiert werden können. Eine gedeckte Aussentreppe führt zum eingefriedeten, grossflächigen Kinderspielplatz. Von diesem geschützten und topographisch erhöhten Spielplatz werden wiederum Sichtbezüge zu den Sportplätzen geschaffen.


Architektonische Lösung
Eine Filterschicht bestehend aus silberfarbenen, in sich verdrehten Aluminiumpaneelen umhüllt den markanten Neubau und verleiht ihm ein konvergentes und repräsentatives Erscheinungsbild. Die dynamisch geformten Lamellen erzeugen ein bewegtes Fassadenbild. Die interne Nutzung entscheidet jeweils darüber, ob die vorhangartige Hülle eher leicht und offen oder geschlossen gestaltet wird. Somit können nicht nur die Ausblicke, sondern auch die Einblicke bewusst mitgestaltet werden.
Der Mut, den Neubau vom bestehenden Turnhallenniveau loszulösen, wird mit lichtdurchfluteten Turnhallen belohnt. Geschosshohe Fenster auf drei Hallenseiten bringen viel natürliches Tageslicht in beide Hallen. Die Lamellenfassade besticht auch hier und erzeugt ein bewegtes Licht- und Schattenspiel auf dem Boden.
Die Anordnung der internen Nutzungen unterstützt die kurze Anbindung an die Bestandes Bauten, weshalb alle Zugänge entlang der Lindagass organisiert sind.
Gestaltung Gemeindesaalplatz
Mit dem neuen Zugang des Gemeindesaals soll auch der Gemeindesaalplatz im Zentrum aufgewertet werden. Eine grosszügige Über-Eck-Treppe nimmt den Topographieverlauf in sich auf und schafft zudem eine räumliche Verbindung zum Kirchenplatz. Doch auch die Primarschule soll ihre Präsenz im Dorfzentrum zeigen dürfen. Indem das Musikzimmer direkt an den Gemeindesaalplatz rückt, bekommt die Primarschule nicht nur ein Gesicht im Dorf, sondern definiert den neu gewonnen Zentrumsplatz mit. Des Weiteren integriert sich ein grosszügiger Fahrradunterstand, der aufgrund der zentralen Lage auch von der Öffentlichkeit genutzt werden kann.


Konstruktion
Der dreigeschossige Massivbau in Stahlbeton wird mit vorgehängten Aluminiumlamellen ausgeführt. Um die Spannweiten einer Doppelturnhalle zu überwinden, wird eine Kassettendecke eingesetzt, die über einen Stützenraster abgetragen wird. Der Kindergarten wird mit einem Stützenraster ausformuliert. Zudem werden Massivbauwände oberhalb der Turnhallen bis aufs Nötigste reduziert.
Der sommerliche Wärmeschutz wird aufgrund der architektonischen Lösung bestens erreicht. Die Durchlässigkeit der Lamellenfassade ist so gewählt, dass ein wirksamer Sonnenschutz entsteht und zugleich die Sicht aufs Schulareal bestens gewährleistet wird. Die innere Gebäudehülle ist aufgrund des Minergie-P-Standards für die künftige Energieerhaltung sowohl im Sommer als auch im Winter optimal ausgestattet.
Unter Nachhaltigkeit verstehen wir die Verwendung lokaler Baumaterialien aber auch den Einbezug von lokalen Handwerkern und Spezialisten. Ökonomische und ökologisch vertretbare Materialien sind für einen öffentlichen Bau selbstverständlich und unterstreichen eine langlebige Bausubstanz.
Zukünftige Entwicklungen
Für zukünftige Erweiterungen werden die Flächen für die öffentliche Liegewiese, sowie dem Rasenspielfeld genutzt. Die bestehende Tiefgarage kann mit einer weiterführenden Rampe erweitert werden. Die Tiefgaragenerweiterung agiert zudem als Basis für den kompakten Hochbau.

Verfahren: Wettbewerb 2017

Auftraggeber: Gemeinde Mauren

Ausführung: -

Ort: Mauren, Liechtenstein

Fotos: Studio Gabor Gyenese, Chur