Scharmotz 3.0
Jugendtreff Balzers – Weiterbauen im Bestand
Das Projekt Jugendtreff Balzers zeigt exemplarisch, wie bestehende Bausubstanz ressourcenschonend weiterentwickelt und in eine zeitgemässe Nutzung überführt werden kann. Der ehemalige Postbetrieb wurde in einen offenen Jugendtreff transformiert – mit klarem Fokus auf Bestandserhalt, zirkuläres Bauen und nachhaltige Materialstrategien.
Zentrales Anliegen des Projekts war der bewusste Umgang mit vorhandener Substanz. Bauteile aus dem Bestand sowie aus Rückbauobjekten wurden gezielt wiederverwendet und über die Bauteilvermittlung in Zusammenarbeit mit ZirkuLIE einer neuen Nutzung zugeführt. Dadurch konnte der Materialkreislauf verlängert und der ökologische Fussabdruck reduziert werden.
Die räumliche Intervention folgt einer klaren architektonischen Haltung: Im Hauptraum wurde die abgehängte Decke entfernt, wodurch die tragende Struktur sichtbar wird und die räumliche Tiefe des Bestands erfahrbar bleibt. Historische Fenstergitter, ursprünglich als Einbruchschutz eingesetzt, wurden zwischen den Unterzügen integriert und übernehmen heute zusätzlich Funktionen für Licht- und Audiotechnik.
Die farbliche Fassung der Decke in einem dunklen Grünton unterstützt die ruhige Raumwirkung und stärkt die atmosphärische Qualität des Innenraums. Ergänzt wird das Konzept durch wiederverwendete Vorhänge sowie eine aus einem Gastronomiebetrieb übernommene Anrichteküche, welche flexible Nutzungsformen ermöglichen.
Auch der Aussenraum wurde im Sinne einer minimalen Intervention neu organisiert. Die südseitige Busbucht wurde rückgebaut und in einen begrünten Aufenthaltsbereich umgewandelt. Einheimische Bepflanzung stärkt die Biodiversität und schafft einen klaren Übergang zwischen gebautem Raum und Landschaft.
Die Geschichte des Ortes bleibt im gesamten Gebäude ablesbar. Bestehende Materialien und Gebrauchsspuren wurden bewusst erhalten und weitergeschrieben. Bodenbeläge dokumentieren frühere Nutzungswege von Öffentlichkeit und Postbetrieb und machen die bauliche Transformation unmittelbar erfahrbar.
So entsteht ein Ort, der Bestand nicht als Einschränkung versteht, sondern als architektonische Ressource nutzt – funktional transformiert, atmosphärisch verdichtet und in seiner Geschichte lesbar erhalten.
Verfahren: Direktauftrag
Ausführung: 2025-2026
Ort: Balzers
Fotos: John Gulli




